Einführung in das Uhrwerk

Jede mechanische Uhr besitzt nebem dem Uhrengehäuse 5 Grundbestandteile:

      

  1. Die Antriebsvorrichtung mit einem Energiespeicher (Gewicht oder Feder)
  2. Dem dazuzugehörigen Aufzug
  3. Eine aus Zifferblatt und den Zeigern (Stunden- und Minutenzeiger, sowie gegebenenfalls Sonderanzeigen wie Sekunde, Mondphase und Dateum) bestehende Anzeigevorrichtung.
  4. Dem Gangregler
  5. Der Hemmung und dem Räderwerk

Weitere Räderwerke regeln gegebenenfalls den Stundenschlag und je nach Ausführung den Viertelstunden (Melodie-) schlag.

Im Uhrwerk sind Räderwerk(e), Hemmung sowie je nach Typ des Uhrwerks ein integrierter Gangregler (Unruh), Antriebsvorrichtungen(en) und Schlagwerke in einem Bauteil zusammengefasst.

Der Stunden- und der Viertelstundenschlag werden von einer Reihe von Hämmern erzeugt, die Gongstäbe, Tonröhren oder Glocken verschiedener Länge bzw. Größe anschlagen. Je nach Abmessung erzeugen die Stäbe, Tonröhren oder Glocken unterschiedliche Töne. Besondere Melodien entstehen, wenn man über unterschiedliche Spielwalzen Reihenfolge und Rhythmus bestimmt, in der Hämmer die entsprechenden Stäbe, Tonröhren oder Glocken anschlagen.

Je nach Ausführung sind das Pendel (externer Gangregler) und die Gewichte weitere Bestandteile Ihrer Uhr und wichtig für das richtige Funktionieren des Uhrwerkes. Pendel unterschiedlicher Länge schwingen auch unterschiedlich schnell. Das Pendel erlaubt somit über eine Veränderung der wirksamen Pendellänge das Regulieren und Einstellen der Laufgeschwindigkeit (Ganggenauigkeit). Entsprechend wirkt sich ein Verändern der wirksamen Federlänge der Unruh aus.


Das Gehwerk und die ein bzw. zwei Schlagwerke werden getrennt durch Gewichte oder Federn angetrieben. Die Gewichte oder Federn treiben den Stundenschlag (Links), das Gehwerk (Mitte) und, soweit vorhanden, den Viertelstundenschlag (Rechts) des Uhrwerks an. Ohne eine konstante Gewichts- oder Federkraft würde die Uhr nicht funktionieren. Bei gewichtsbetriebenen Uhrwerken sind die Gewichte je nach Uhrwerk und Uhrenausstattung verschieden und müssen zum exakten Laufen der Uhr richtig aufgehängt werden. Gewichte oder Federn sollten mindestens alle 7 Tage aufgezogen werden, damit die Uhr nicht stehen bleibt.

 

Ankerautomatik (Kieninger Patent)

Der Begriff Ankerautomatik (automatische Abfallregulierung) bezieht sich auf ein automatisches Einstellen der Ankerposition relativ zum Gangrad durch einen Pendelüberschwung. Dies wird durch eine präzise tolerierte Friktion zwischen Anker und Ankerwelle und eine zusätzliche Scheibe auf dem Gangrad erreicht. Aufgrund der Ankerautomatik stellt sich ein gleichmäßiges Ticken nach dem Einschwingvorgang des Pendels automatisch ein.

Automatische Nachtabschaltung (Kieninger Patent)

Bei Aktivierung der Nachtabschaltung wird das bzw. werden die Schlagwerk(e) zwischen 22.00 und 7.15 Uhr (Uhrwerke mit Viertelstundenschlag) bzw. 22.00 und 7.00 Uhr (Uhrwerke mit Halbstundenschlag) automatisch abgeschaltet. Dabei wird durch einen zusätzlichen Mechanismus und eine spezielle Zeitkurve das Auslösen des Schlagwerks bzw. der Schlagwerke verhindert.

Echte Sekunde

Bei einer "echten Sekunde" läuft der Sekundenzeiger mit exaktem Sekundensprung. Dies ist nur bei Uhrwerken mit Sekundenpendel, d.h. einer Pendellänge von nominal 116 cm möglich. Bei Uhrwerken mit kürzeren Pendellängen verwendet Kieninger für die korrekte Sekundenanzeige einen speziellen Sekundenbaustein (Kieninger Patent).

Gangregler & Hemmung

Der Begriff "Hemmung" bezeichnet die Kombination der Bauteile Anker und Gangrad. Der Anker besteht entweder aus einem Stück (patentierter Kieniramic® Massivanker) oder einem Ankerkörper mit eingeschobenen Paletten (Kieniramic® Palettenanker). Das Gangrad besitzt eine auf die Form der Hemmung bzw. den Anker abgestimmte Spezialverzahnung.
Die Hemmung steuert mit Hilfe der Gangreglerschwingungen den freien Ablauf des Gehwerkes und überträgt gleichzeitig dem Gangregler immer wieder den nötigen Antriebsimpuls. Den Gangregler bilden je nach Art des Uhrwerkes ein Pendel oder eine Unruh. Die Schwingungen des Gangreglers ergeben den Takt für die Zeigerbewegung.

In Kieninger-Uhrwerken werden eine ruhende Hemmung (Graham) oder ein Echappement (Schweizer Ankergang) verwendet. Alle Echappements werden werksseitig in Betriebslage eingeregelt ("adjusted").

Echappement

Gangreserve

Bei gewichtsbetriebenen Uhrwerken mit Gangreserve läuft das Gehwerk während des Aufziehvorgangs konstant weiter. Dies wird durch ein Gegengesperr mit Feder erreicht, welche die Antriebskraft auf das Gehwerk auch während des Aufziehens aufrecht- erhält.

Kompensationspendel

Durch Temperaturschwankungen dehnen sich metallische Bauteile von normalen Pendeln unterschiedlich aus. Dadurch verändert sich die Länge des Pendels und verursacht Schwankungen der Laufgeschwindigkeit. Durch eine bestimmte Anordnung von Metallen unterschiedlicher Ausdehnungskoeffizienten und eine entsprechende Konstruktion des Pendels wird diese Längenänderung ausgeglichen (d.h. kompensiert).

Lyrapendel

Der Begriff bezeichnet einen Pendelstil, bei dem mehrere vertikale Stäbe in der Mitte mit einer Brücke verbunden sind und sich ein Dekorelement in Form einer Harfe oberhalb der Pendelscheibe befindet.

Melodienautomatik (Kieninger Patent)

Bei Aktivierung der Melodienautomatik wird bei Mehrmelodienwerken stündlich, nachdem der Stundenschlag beendet ist, über das Zeigerwerk die Spielwalze automatisch auf die nächste Melodie umgeschaltet.

Mondphasenzifferblatt

Ein Zifferblatt, welches die Phasen des Mondes während des 29 1/2 Tage dauernden Mondmonats darstellt. Während die Mondscheibe zwischen den Symbolen der östlichen und westlichen Hemisphäre wandert, werden die Mondphasen (Neumond, Vollmond, abnehmender Mond, etc.) entsprechend dem Zyklus dargestellt.

Pendellänge (PL)

Kieninger verwendet zur Identifikation nominale Pendellängen, denen jeweils bestimmte Schlagzahlen (Schwingungen pro Stunde) zugeordnet sind.
Je nach Bauart und Messmethode weichen die tatsächlichen Pendellängen von den Nominalwerten ab.

Rollieren

Rollieren ist ein spezielles, traditionelles Verfahren zur Oberflächenbehandlung der Lagerzapfen von Trieben und Wellen in der Uhrentechnik. Dabei wird die Oberfläche des sich drehenden Bauteils mit einer rotierenden Hartmetallscheibe ("Rollieren") geglättet und verdichtet. Durch das Rollieren wird eine sehr hohe Lebensdauer und Leichtgängikeit der Lagerstellen erreicht.

Tempus Fugit

Lateinisch für "die Zeit fliegt". Diese Worte finden sich traditionell oft auf dekorativen Zifferblättern.

Weiser(stift)

Über den Weiserstift der Ankergabel, der in die Pendelverlängerung eingreift, wird die Antriebskraft vom Uhrwerk auf das Pendel übertragen.